Learning

Über den Tellerrand hinaus zum Welttag für den Kompetenzerwerb junger Menschen

Ich kremple meine Ärmel hoch, denn zum Thema Kompetenzerwerb junger Menschen habe ich als (noch) Studentin einiges zu sagen.

Redaktion / 10/19/2022

Persönlichkeit

Digitalisierung

Gesundheit

Diversität

Veränderung

Kompetenzen, Fähigkeiten, Fertigkeiten lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Zum einen gibt es die Hard Skills; Fremdsprachen, Mathematik, Geografie – Themen, die uns schon von Kinderbeinen an begleiten. Zum anderen gibt es aber auch noch Themen, wie Konfliktlösung, Kommunikation, Resilienz, sogenannte Soft Skills - diese Kompetenzen finden in deutschen Schulen und Universitäten kaum Platz.

Schaue ich mich in meiner eigenen Bubble aus Studierenden um, in den 90ern geboren, muss ich feststellen, dass viele von uns mit der letzteren Kategorie überfordert sind.

Unsere Welt bewegt sich immer schneller, aktuell folgt eine Katastrophe auf die nächste, gleichzeitig sind wir vernetzter als je zuvor und haben Zugriff auf jegliche Information, die es auf der Welt gibt. Den Halt nicht zu verlieren ist eine Mammutaufgabe, der viele von uns psychisch nicht gewachsen sind.

Gut also, dass wir Kurvendiskussion, Gedichtanalyse und Klimadiagramme beherrschen.

Mit Frustration gehe ich gerne mit Zynismus um, auch wenn ich weiß, dass das vermutlich noch nie die Welt verändert hat. Trotzdem: Wenn mich jemand fragen würde, was sich an unserem Bildungssystem verändern muss, hätte ich einige Anliegen.

Aktuell werden wir (besonders an Universitäten) daran gemessen, wie gut unsere Merkfähigkeit ist. Mein Psychologiestudium neigt sich dem Ende zu, also kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass praktische oder zwischenmenschliche Kompetenzen nicht ausschlaggebend für den Erfolg eines Studiums sind, obwohl gerade diese mit Blick auf den Arbeitsmarkt junger Psycholog*innen (und auch vieler anderer Sparten) so wichtig wären. Auswendiglernen, Theorie um Theorie, Jahreszahl um Jahreszahl, Definition um Definition – so lautet die Devise an den Hochschulen.

Wer darin nicht gut ist, hat es schwer.

Vor allem universitäre Bildungsabschlüsse sind noch immer mit viel Prestige verbunden. Ich bin dankbar dafür, mich in meiner Zeit an der Uni so weiterentwickelt haben zu dürfen. Diese Entwicklungen liegen aber ebenfalls eher im Bereich der Soft Skills, meiner Persönlichkeit – Selbstorganisation, Präsentationstechniken, soziale Kompetenzen im Umgang mit anderen Menschen. Sie haben wenig mit den eigentlichen Fachinhalten zu tun, die ich habe lernen müssen.

Um fachspezifische Aufgaben der Arbeitswelt bewältigen zu können, benötigt es natürlich theoretisches Wissen. Dieses zu vermitteln – darin sind unsere Hochschulen gut. Alles, was dazwischen passiert, ist uns selbst überlassen. Trial and Error.

Was ich mir also für die Revolution des Kompetenzerwerbs junger Menschen wünsche?

Zu lernen, wie wir gesund und sicher durch eine unsichere Welt navigieren können. Wie wir all die Vielfalt zu unserem Vorteil nutzen können. Nicht mehr nur auf vermeintliche Leistungen reduziert zu werden. Zusammenarbeit, Kollaboration zu fördern, statt Konkurrenz zu erzwingen.

Zuletzt möchte ich noch an alle jungen Menschen appellieren (und komme mir dabei unglaublich alt vor): Lasst euch Zeit. Schaut nach links und rechts, über den Tellerrand hinaus. Dort liegt so viel wertvolles Wissen, welches nichts mit drögen Theorien zu tun hat, welches euch so viel weiterbringt, als auswendig gelernte Zahlen und Fakten.

Maria-Elena Zavrakidou

Juniortrainerin und Projektassistenz

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