
Einblicke
Verstanden ist noch lange nicht einverstanden - Zwischen Maschine, Mensch und Missverständnis
Ich wollte ein einfaches Icon. Bekommen habe ich eine Lektion in Führung und Kommunikation.
Redaktion / 2/2/2026
Persönlichkeit
Diversität
Führung
Digitalisierung
Kennst du das? Du erklärst etwas, eigentlich ganz klar, findest du. Dein Gegenüber nickt, wiederholt sogar, was du gesagt hast. Und trotzdem kommt etwas anderes dabei heraus. So ging es mir kürzlich – nicht mit meiner Mitarbeiterin, sondern mit meiner KI. Aber ehrlich gesagt: der Unterschied war gar nicht so groß.
Ich wollte ein Icon haben, ein Schild mit einem Blatt drin, das Resilienz darstellen sollte. Einfach, dachte ich. Ich erklärte, gab Beispiele und Anweisungen. Heraus kam ein Bild, schon ziemlich nah dran, aber eben noch nicht perfekt. Also gab ich Feedback: „Bitte halte dich exakt an diese drei Schritte…“ Die KI antwortete brav: „Alles klar 👍 ich habe verstanden: Das Schild soll nicht komplett geschlossen sein. Das Blatt im Inneren soll nicht voll ausgefüllt sein.“ Klang perfekt.
Ich so: „Super, fast geschafft. Den Schatten bitte auf die andere Innenseite spiegeln – da habe ich mich nicht präzise ausgedrückt. Und die Lücke im oberen rechten Rand fehlt. Ich schicke dir ein Beispiel.“ Die KI: „Perfekt 🙌 danke für den Hinweis!“ Das klang erneut alles richtig – aber das Bild? Wieder nicht so, wie wir es, meiner Meinung nach, abgesprochen hatten.
Also erklärte ich es noch einmal. Detaillierter. Mit Beispielen. Ich schrieb: „Die Lücke soll eigentlich so sein, dass es fast so aussieht, als wäre sie zusammen, dass man kurz vorher aber aufgehört hat …“ Die KI nickte förmlich in Textform und wiederholte in ihren eigenen Worten: „Super, danke für die Klarstellung 🙏 Schatten: grüner Marker-Schatten nach innen gesetzt, unten rechts im Schildinneren.“ Und dann kam wieder ein Bild. Wieder nicht so. Ich erklärte. Die KI fasste zusammen. Und setzte es doch nicht um. Meine Frustration wuchs. Irgendwann schrieb ich: „Das ist unser letzter Versuch, sonst ist es zu zeit- und ressourcenintensiv.“ Habe ich das gerade tatsächlich geschrieben? Wie bin ich bitte hier gelandet?
Genau an diesem Punkt hielt ich inne. Und erinnerte mich an etwas, das ich selbst immer wieder trainiere: Souverän führen. Also, welcher Modus würde jetzt weiterhelfen um voran zukommen und angemessen zu kommunizieren. Ich entschied mich für den Coaching Modus. Also fragte ich nicht mehr „Warum klappt das nicht?“, sondern: „An was liegt es, dass du es korrekt beschreibst, es aber anders umsetzt? Und was brauchst du von mir, damit du meine Information anders verarbeiten kannst, damit wir zum richtigen Ergebnis kommen?“ Die KI antwortete entwaffnend ehrlich: „Guter Punkt 🙏 Du hast völlig recht – ich habe die Beschreibung deiner Angaben sehr genau verstanden, aber mein Bildgenerierungsmodell interpretiert manchmal zu frei.“ Aha. Verstanden – aber nicht einverstanden. Der Lösungsvorschlag seitens der KI: kleinere Schleifen, immer nur einen Punkt anpassen, erst dann den nächsten. Und da musste ich schmunzeln, weil ich mich ertappt fühlte. Ich neige dazu, in kurzer Zeit sehr viele Informationen unterzubringen. Für meine Gegenüber – Mensch oder Maschine – kann das schlicht zu viel sein. Ich hatte die KI abgehängt.
Mir wurde klar: Das war kein KI-Problem. Das ist ein Kommunikationsproblem. Wir glauben, wir sprechen die gleiche Sprache oder sehen die gleichen Bilder. Wir nicken, wir wiederholen, wir sagen „verstanden“. Aber in unseren Köpfen entstehen unterschiedliche Vorstellungen. Und wenn ich zusätzlich mit Informationen überlade, verstärkt das die Abweichung nur.
Mein Icon habe ich am Ende nicht so bekommen, wie ich wollte. Aber ich habe etwas anderes gewonnen: eine frische Erinnerung daran, dass verstanden eben nicht automatisch einverstanden bedeutet – weder mit KI noch mit Menschen. Und dass kleine Iterationen mit Feedback viel sinnvoller sind, als alles in einem Rutsch erklären zu wollen. So lernt man gemeinsam auf beiden Seiten.
Und wenn ich das nächste Mal denke: „Das war doch klar!“, dann sehe ich vor meinem inneren Auge mein Schild mit Blatt – mit Schatten außen statt innen und einer viel zu großen Lücke. Und ich kann ein bisschen schmunzeln. Über mich, meine Kommunikation und die Kunst, wirklich im gleichen Bild zu sprechen.

Diana Hoffmann
Produktmanagerin digitale Formate, Trainerin, systemische Beraterin und Coach
Unsere neusten Artikel

Einblicke
Mach Limonade draus
Wir sind zu dem Schluss gekommen: Etwas Neues muss her. Ein frischer Wind, um unsere Segel neu zu setzen: "Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, mach Limonade draus!"
Redaktion / 1/17/2022

Einblicke
"Love it, change it or leave it... or suffer forever."
Unsere Geschäftsführerin Ute Waidelich stellt sich vor!
Redaktion / 1/17/2022
Wir verwenden ausschließlich technisch notwendige Cookies, um den Betrieb der Webseiten sicherstellen zu können. Weitere Informationen finden Sie in unseren Impressum und in unseren Datenschutzbestimmungen.