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Feministischer Kampftag

Was bisher geschah...

Redaktion / 3/4/2026

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Vor vier Jahren unternahm ich mit meinem Blogbeitrag eine Zeitreise, freute mich über feministische Erfolge und kritisierte Strukturen, die FLINTA* (also Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans und Agender-Personen*) noch immer systematisch benachteiligen.

Ich bin heute 31 und habe dazugelernt. Ein intersektionales Update dieses Artikels ist aus meiner Sicht dringend nötig. Denn noch immer zeigt sich: Vieles stagniert, und weißer Feminismus übersieht oft die zusätzlichen Barrieren für migrantische und racialisierte (also nicht weiß gelesene) FLINTA*, People of Color und FLINTA* mit Behinderungen. Zeit für einen Recap.

Gender Pay Gap: Leichter Rückgang zu verzeichnen

Von 18% im Jahr 2020 sank der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und FLINTA* pro Stunde,in den letzten zwei Jahren unbereinigt auf 16 % – laut Statistischem Bundesamt ein Mini-Fortschritt. Für FLINTA* mit Migrationshintergrund liegt der Gap allerdings bei bis zu 25%, mit 10–15% niedrigeren Erwerbsquoten. Care-Arbeit trifft hier auf Rassismus und illustriert, warum Feminismus intersektional sein muss.

Bildung: FLINTA* vorn – aber nicht alle FLINTA*

FLINTA* absolvieren 53% der Studienabschlüsse. Klingt erstmal gut – greift aber wieder zu kurz: Nur etwa 25% davon sind FLINTA* mit Migrationshintergrund, sie machen gerade einmal 13-14 % aller Studienabschlüsse aus. Schulische Diskriminierung, fehlende Netzwerke und rassistische Hürden bremsen sie aus. Auch die soziale Herkunft spielt eine Rolle, und wieder sind migrantische FLINTA* im Nachteil: Nur etwa 20-25 % der Absolvent:innen kommen aus Akademiker:innenfamilien. FLINTA* mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen kämpfen zusätzlich gegen barrierefreies Lernen, Diskriminierung in der Beratung und fehlende Förderung – oft ohne sichtbare Rollenmodelle. Der Erfolg in Sachen Bildung gilt also primär weißen, ablebodied Mittelstandsfrauen.

Familienpolitik: Mütterrente erweitert, doch Prekarität bleibt

Die sogenannte „Mütterrente 3“ bringt seit 2025 Müttern von Kindern, die vor 1992 geboren sind, ein halbes Jahr mehr Rentenanspruch pro Kind plus Nachzahlungen. Das Elterngeld sieht seit 2021 flexiblere Regelungen, zum Beispiel in puncto Teilzeit, vor. Ein Fortschritt – zumindest für weiße Frauen. Wieder werden migrantische FLINTA* mehrfach benachteiligt, die häufig auf Grund aufenthaltsrechtlicher und bürokratischer Hürden durch das Raster fallen.

Gewalt gegen FLINTA*: Alarmierender Anstieg

Die wohl erschreckendste Statistik: 2024 verzeichnete das Bundeskriminalamt 265.942 Fälle von häuslicher Gewalt, von denen sich 70% gegen FLINTA* richteten. Fälle digitaler Gewalt gegen FLINTA* gab es 18.224. Das BKA schätzt außerdem, dass die Dunkelziffer an Gewaltdelikten gegen FLINTA* etwa 80-90 % höher ist. Racialisierte FLINTA* erleben laut einer Dunkelfeldstudie sogar noch häufiger Gewalt, melden sie aber seltener auf Grund von kulturellen oder Sprachbarrieren sowie Misstrauen und Rassimuserfahrungen bei den entsprechenden Behörden.​

Frauenquote: Erfolg oder Defizit?

In Aufsichtsräten großer Konzerne sitzen mittlerweile rund 37% FLINTA*, 20,3% in Vorständen börsennotierter Unternehmen (ein neuer Höchststand!) und 25 % der Top-Führungsposten werden von FLINTA* besetzt. Doch die Quote bleibt wie in so gut wie jedem Bereich weiß dominiert: Migrantische oder racialisierte FLINTA* machen in den Vorstandsriegen nicht einmal 5 % aus.

Was braucht die Arbeitswelt für echten intersektionalen Feminismus?

Schaut man sich diese Statistiken an, so wird schnell klar: Der Weg zu echter Gleichstellung ist noch lang. Intersektionalität bedeutet deshalb: Feminismus, der nicht nur weißen, ablebodied Frauen zugute kommt. Sensibilisierung für FLINTA*, die mit Mehrfachdiskriminierung durch Gewalt, Mikroagressionen und physische Barrieren, konfrontiert sind, und alte Strukturen knackt. Interkulturelle Beratungsstellen und Frauenhaus-Kooperationen, um Betroffene aus prekären Situationen zurück ins Leben zu begleiten. Mentor:innenprogramme für migrantische FLINTA*, um echte Netzwerke und gegenseitige Unterstützung herzustellen. Flexible Modelle, die unterschiedliche kulturelle Realitäten wie Feiertage oder Sprachförderung mitdenken. Quoten, die Geschlecht, Herkunft, Klasse und mögliche Barrieren berücksichtigen. Weißer Feminismus exkludiert diejenigen, die unter genau diesem System am meisten leiden. Männer müssen Privilegien teilen, weiße FLINTA* ihre Bubble verlassen, um echte Intersektionalität zu schaffen.

In unserer depesche 2016 plädierten wir für flexible Rollen statt starrer Quoten. Heute wissen wir: Quoten schaffen die Grundlage, fassen aber zu kurz. Wir müssen uns nicht nur den Raum nehmen, der uns oft verwehrt wird, sondern auch anderen eine Plattform bieten, die noch weniger gehört werden – und das jeden Tag, nicht nur am feministischen Kampftag.

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Maria-Elena Zavrakidou

Juniortrainerin, systemische Beraterin und Coach, Projektassistenz

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