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Der frühe Vogel fängt den Wurm!
Ein Erziehungsappell, den viele von uns kennen. Richtigerweise müsste er aber heißen: „Der frühe Vogel fängt den frühen Wurm, der späte Vogel fängt den späten Wurm“, da der Spruch nur richtig ist, wenn der Wurm den gleichen zirkadianen Rhythmus hat wie der Vogel.
Redaktion / 4/2/2026
Persönlichkeit
Diversität
Gesundheit
Neben der vereinfachenden Form der Eule und Lerche, kennt man mittlerweile bis zu sieben verschiedene Chronotypen, die vom extremen Frühtyp, der üblicherweise vor 21.30 ins Bett geht, bis zum extremen Spättyp, der sich nach 2.30 schlafen legt, reichen. Wir durchlaufen dabei alle die gleichen Phasen des Konzentriertseins, des höchsten kreativen Potentials usw., allerdings zu unterschiedlichen Tageszeiten. Die schlechte Nachricht ist, dass diese Typen genetisch bedingt sind und die gute Nachricht ist, dass diese auch von äußeren Faktoren beeinflussbar sind.
Der renommierte Schlafforscher und Professor der Neurowissenschaften an der Universität of California, Berkley, Matthew Walker, hat dazu eine Theorie: Aus seiner Sicht könnte das noch aus jener Zeit stammen, als wir in Clans zusammengelebt und in der Wildnis unser Leben gefristet haben. Zu dieser Zeit könnte es einen evolutionären Vorteil bedeutet haben, wenn die Mitglieder einer Gemeinschaft zu unterschiedlichen Zeiten schliefen und damit aber sichergestellt war, dass über weite Teile der Nacht immer jemand Wache halten und vor wilden Tieren oder anderen Bedrohungen warnen konnte. Das bedeutet, dass dieser Unterschied eine Schutzfunktion und damit eine sozial stabilisierende Wirkung hatte.
Wir werden zwangsweise „gleichgeschaltet“ und sehen uns Anforderungen gegenüber, die unserem natürlichen Rhythmus widersprechen. Man spricht auch vom „sozialen“ Jetlag, also den ungünstigen Folgen, wenn ich gegen meine innere Uhr aufstehe und schlafen gehe. Diese genetische Prädisposition bedeutet aber für uns heute, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln sollten, welchem Chronotyp wir entsprechen. Viele Menschen kennen ihren gar nicht genau und passen sich selbst bei Aspekten des täglichen Lebens dem „Normaltyp“ an, wo es gar nicht notwendig wäre.
Gleichzeitig sollten in Familie und Arbeitsplatz alle Typen ihre Berechtigung und damit Würdigung erhalten, statt die verschiedenen Rhythmen am Normaltyp zu messen, der den standardisierten Zeiten unserer Arbeitswelt entspricht. Das bedeutet konkret, dass in Teams über die Unterschiede gesprochen und die Prinzipien der Zusammenarbeit und Verfügbarkeiten auch angemessen darauf abgestimmt sein sollten. Oder dass eine Führungskraft verstärkt nach Ergebnissen die Leistungen einer Mitarbeiter:in bewertet, anstatt nach den Anfangszeiten. Oder dass man Meetings am späten Vormittag ansetzt oder am frühen Nachmittag, da dann die Chance am größten ist, dass alle die gleichen Fähigkeiten der Konzentration und Mitarbeit einbringen können.
Der wichtigste Faktor ist das natürliche Licht. Je früher und mehr natürlichem Licht wir uns z.B. nach dem Aufstehen aussetzen, desto schneller kommt unser Organismus „in die Gänge“. Leider torpedieren wir selbst unseren zirkadianen Rhythmus, indem wir uns zu lange (wenn es dunkel ist) künstlichem Licht und Bildschirmstrahlung aussetzen. Die Melatoninanreicherung wird dadurch verlangsamt und wir fühlen uns weniger müde, als wir eigentlich sind oder sein sollten.
Da unsere Schlafqualität und -dauer einen enormen Einfluss auf unser Energielevel, unsere Lernfähigkeit, unsere Konzentration und viele andere gesundheitliche Aspekte hat – letztendlich auch auf unsere Lebenserwartung – sollten wir sicherstellen, dass diese hoch ist. Unabhängig von den chronotypischen Auswirkungen und Anpassungen, die dazu notwendig sind, gilt es jedoch für jeden Menschen, die eigene Schlafqualität- und Dauer im Blick zu haben und bei erlebten oder gemessenen Defiziten aktiv etwas zu unternehmen, um auf die 7-9 Stunden gesunden Schlaf pro Nacht zu kommen. Letzter Appell an alle Chronotypen:

Ute Waidelich
Geschäftsführung der develoop GmbH
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